Ausland, und dann?

26. April 2019Steinhäuser Katharina

Du hast ein Semester oder sogar ein ganzes Jahr an einer Universität im Ausland verbracht? Alles war spannend, neu und aufregend. Am Wochenende warst du nie in der Bib, sondern hast einen Roadtrip mit deinen neu gewonnen Bekannten unternommen. In der Kneipe habt ihr über Gott und die Welt diskutiert, Sprachbarriere hin oder her. Doch ehe du dich versiehst, steht die Heimreise an. Je näher der Abflugtag rückt, desto mehr schleicht sich zwischen deine Freude und Begeisterung ein fader Beigeschmack. Du hast so viel erlebt, neue Freundschaften geschlossen und dich vielleicht auch persönlich verändert. Jetzt sollst du einfach in deinen Alltag zu Hause zurückkehren und weitermachen wie bisher?

Immer mehr Studierende zieht es ins Ausland. Die meisten müssen irgendwann wieder die Heimreise antreten. Da die Zeit an einer ausländischen Gastuniversität oft besonders intensiv erlebt wird, fällt die Rückkehr manchmal schwer. Statt Wiedersehensfreude macht sich Missmut breit. Ein Problem mit dem scheinbar viele Heimkehrer zu kämpfen haben. Daher gibt es für die Trauerphase nach dem Auslandssemester schon einen eigenen Namen: Post-Erasmus-Depression.

Wenn die Rückkehr zur Tortur wird

Vor dem Auslandssemester wirst du auf alles vorbereitet: Kulturelle Unterschiede, mögliche Probleme, und, und, und. Doch was danach kommt, davor warnt dich niemand. Es gibt keine Hilfe, keinen Vorbereitungskurs, kein Merkblatt. Dann sitzt du da vor deinem halb ausgepackten Koffer und scrollst durch die Bilder von euerer Abschiedsparty. Du kannst es kaum fassen, dass du vor wenigen Tagen noch ein ganz anderes Leben gelebt hast. Ein Leben, dass deine Daheimgebliebenen nicht kennen und wahrscheinlich nicht verstehen.

Pläne schmieden statt Trübsal blasen

Googelt man Post-Erasmus-Depression gibt es über zwei Millionen Suchergebnisse. Darunter vor allem viele Ratschläge, wie man den Rückkehr-Blues überwinden kann. Was einem hilft, ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich habe dir meine Top 5 zusammengestellt:

 

1. Akzeptiere die Trauerphase

Ein wichtiger und ereignisreicher Abschnitt deines Lebens ist gerade zu Ende gegangen. Da ist es normal, dass du ein wenig Zeit für die Umstellung brauchst. Bei der Anreise in deinem Gastland warst du doch bestimmt auch nachsichtig mit dir und hast dir Zeit gegeben, dich an Kultur und Menschen zu gewöhnen. Sei also auch jetzt nicht zu ungeduldig mit dir selbst. Nutze die Trauerphase, um alle schönen Erinnerungen für dich mental zu speichern. Gestalte vielleicht ein Fotobuch oder etwas anderes Schönes, um abzuschließen.

 

2. Höre auf, alles zu vergleichen

Das Wetter in Deutschland kommt dir trist und grau vor, genauso wie die Menschen. Konstant vergleichst du deinen Alltag im Ausland mit deiner Heimat. Dabei fragst du dich, wie du nur vorher so leben konntest. Viel zu oft ertappst du dich, wie du Sätze mit „Also in XY war das ja so und so …“ anfängst. Damit gehst du nicht nur deinen Mitmenschen, sondern auch dir selbst irgendwann auf den Keks. Akzeptiere die Unterschiede und versuche Dinge zu genießen, die du im Ausland vielleicht vermisst hast: Dein Lieblingsessen, Kaffeetrinken mit der besten Freundin oder Bamberger Bier.

 

3. Ausmisten

Vielleicht hast du nach deiner Rückkehr das Gefühl, alle anderen hätten sich kaum verändert. Nur du fühlst dich irgendwie anders. Der perfekte Moment, um alten Ballast hinter dir zu lassen. Außerdem müssen die neu erworbenen Schätze ja auch ihren Platz im Schrank finden. Miste aus und trenne dich von Dingen, die dir nicht mehr oder nicht mehr zu dir passen. Klingt vielleicht nach Klischee, aber manchmal überträgt sich das reinigende Gefühl auch auf die Psyche.

 

4. Neu! Neu! Neu!

Hast du im Ausland ein neues Hobby für dich entdeckt? Singst du jetzt gerne leidenschaftlich Karaoke? Oder hast du endlich kochen gelernt, weil die Mensa unter aller Sau war? Super! Hör jetzt nicht auf damit. Ein Faktor, der die Zeit im Ausland so besonders macht, ist dass man so viel Neues erlebt. Außerdem ist man meistens mutiger und offener für Aktivitäten, die sonst im Alltag nicht vorkommen. Nimm diesen neuen Schwung mit und bringe so ein Stück weite Welt zu dir nach Hause.

 

5. Pläne schmieden

Fast schon zu offensichtlich: Wer Fernweh hat sollte am besten sofort wieder vereisen. Versuche mit deinen neuen Bekannten in Kontakt zu bleiben, so hast du gleich dein nächstes Reiseziel. Das motiviert!

Pleite nach dem Auslandssemester? Dann nutze die Zeit nach deiner Rückkehr, um Geld für deinen nächsten Trip zu verdienen. Oder verkaufe die unter 3. ausgemisteten Sachen auf dem Flohmarkt ;)

 

Und wenn das alles nichts hilft bleibt das Wissen, dass es mit jeder Rückkehr ein bisschen leichter wird ...

Bildnachweis: 
Katharina Steinhäuser
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