Theaterkritik: „Der Vorname" von der Künstlerwerkstatt

26. September 2015 - Maria Dirschauer

Freitagabend zur Primetime in der Turnhalle des Theresianums in Bamberg. Doch es findet nicht etwa ein sportliches Event statt oder irgendein Schulfest. Nein, der Stegauracher Verein Die Künstlerwerkstatt hat eingeladen, sein neuestes Theaterstück Der Vorname mitzuerleben. Die Komödie, im Original Le Prénom von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière aus dem Jahr 2010, ist seit ihrer Uraufführung in vielen Theatern international aufgeführt worden, nun kommt sie auch nach Bamberg.

Vom Inhalt sei an dieser Stelle nicht allzu viel verraten, damit zukünftige Zuschauer sich auch noch an überraschenden Wendungen erfreuen können. Nur so viel: Eine Gruppe aus fünf Freunden trifft sich in der Pariser Wohnung des Paares Elisabeth und Pierre zum gemütlichen Abendessen. Elisabeths Bruder Vincent und seine Frau Anna erwarten ein Kind und lassen die Freunde raten, wie sie es nennen werden. Was als harmloses Ratespiel beginnt, gerät schnell zu einer erhitzten Debatte. Im Laufe des Abends werden Familiengeheimnisse gelüftet, in der angriffslustigen Atmosphäre schenken sich die Streitenden nichts, lange unterdrückte Vorwürfe und fiese Gerüchte treten zu Tage. Sogar das eine oder andere Möbelstück könnte zu Bruch gehen. Ob sich die Freunde am Ende zusammenraufen oder für immer zerstreiten, muss man selbst sehen.

Was nach einem aggressiven Theaterstück klingt, ist durchaus lustig inszeniert, schließlich handelt es sich um eine Komödie nach bester französischer Manier. Die Charaktere könnten kaum unterschiedlicher sein, wodurch Meinungen aufeinanderprallen und die Fetzen fliegen. Da gibt es den neunmalklugen, etwas spießigen Literaturprofessor (dargestellt von Sebastian Burkard), den nonchalanten, egoistischen Makler, der nicht weiß, wo bei Scherzen Schluss ist (Harald Wicht), den stillen Musiker, der jedoch ein dunkles Geheimnis bewahrt (Christian Salomon), die schwangere und zickige Modedesignerin (Laura Waldmann) sowie die Hausfrau und Mutter, die für ihren Mann auf die eigene Karriere verzichtet hat. An dieser Stelle sei die Leistung von Daniela Burkhardt positiv hervorgehoben. Man kann die Entwicklung von der fleißigen Hausfrau miterleben, die für alle ein perfektes Abendessen zubereiten will, die anfangs immer alles Wichtige in den Gesprächen verpasst, sich gegen Ende aber auf großartige Weise in Rage redet und so jeder der Freunde sein Fett weg kriegt.

An nicht ganz so frankophilen Zuschauern könnten einige französische Namen und Anspielungen vorbeigehen, was dem Abend aber keinen Abbruch tut. Das Bühnenbild ist sehr gemütlich und detailreich eingerichtet und lässt einen direkt in das Wohnzimmer der Gastgeber eintauchen. Die Stimmung des Publikums war großartig, es wurde viel gelacht und geklatscht, teils wurden sogar die Schauspieler von der lockeren Atmosphäre angesteckt und konnten sich kurzzeitig kaum vor Lachen zusammenreißen. Die Laufzeit des Stücks von ca. zwei Stunden kam einem gar nicht so lange vor, auch wenn der Anfang, als alle Charaktere vorgestellt werden, noch etwas schleppend in die Gänge kam. Dann jedoch nimmt Der Vorname Fahrt auf, witzige Pointen und unerwartete Wendungen machen den Abend zu einem wahren Vergnügen.

Wer das Stück noch sehen will, sollte sich beeilen, denn es gibt nur noch Samstag und Sonntag Aufführungen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Samstag, 26.10. | 20:15 Uhr und Sonntag, 27.10. | 19:15 Uhr | Restkarten an der Abendkasse

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