Bessere Handhygiene durch „Live-Feedback“

06. Juni 2021Sophie Otto

Forschungsteam der Universität Bamberg entwickelt Systeme zur Verbesserung der Handhygiene in Krankenhäusern und Kindergärten

In Deutschland sterben jedes Jahr 10.000 bis 20.000 Menschen aufgrund von Krankenhaus-Infektionen. Kindergartenkinder in Deutschland durchlaufen meist mehrere ansteckende Krankheiten pro Jahr. Häufige Ursache ist eine mangelnde Handhygiene. Ein Forschungsteam der Universität Bamberg hat ein alltagstaugliches System entwickelt, um die Handhygiene in Krankenhäusern und Kindergärten dauerhaft zu verbessern. Damit können Infektionskrankheiten vorgebeugt werden.

Prof. Dr. Thorsten Staake, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insbesondere energieeffiziente Systeme, führt das Projekt gemeinsam mit den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Joanna Graichen und Carlo Stingl durch. Mit Unterstützung ihrer Kooperationspartner haben sie ein digitales System entwickelt, das darauf abzielt, Handhygiene dauerhaft zu verbessern. Es besteht aus smarten Wasserhähnen und Seifenspendern sowie einem Display, das direkt neben dem Waschbecken angebracht ist. Das Display zeigt bereits während des Händewaschens Anweisungen an. Durch Messung des Wasser- und Seifenverbrauchs wird der Handwaschvorgang bewertet, und die Nutzerin oder der Nutzer erhält direkt nach dem Händewaschen eine Rückmeldung.

Zwei Universitätskliniken sowie zwei Krankenhäuser nutzen das System bereits als Teil einer Feldstudie. „Die Daten der einzelnen Handwaschvorgänge werden außerdem gesammelt und aufbereitet, um den Kliniken Daten für ihr Qualitätsmanagement zur Verfügung zu stellen“, erklärt Carlo Stingl. Darüber hinaus werden die Daten genutzt, um Verhaltensänderungen messbar zu machen und zu untersuchen, inwiefern sich Gewohnheiten ausbilden.

Auch in Kindergärten in Deutschland und Finnland, in Kooperation mit der Universität Turku (Finnland) wird derzeit eine angepasste Variante des Systems eingerichtet. „Kinder erlernen so spielerisch gute Handhygiene“, so Joanna Graichen. „Es ist denkbar, das digitale System in Zukunft so weiterzuentwickeln, dass es auch in anderen Gebieten angewendet werden kann“, erklärt sie weiter. Zum Beispiel sei eine Installation in Altenheimen und der Gastronomie denkbar.

Finanziert wird das Projekt mit rund 1 Million € durch Business Finnland. Ein Anteil von rund 250.000 € geht dabei an die Universität Bamberg. Der übrige Betrag steht den Kooperationspartnern zur Verfügung. Dabei handelt es sich um die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, das Unternehmen Amphiro mit Sitz in Zürich, das die digitale Infrastruktur für das Projekt schafft, sowie den Armaturenhersteller HANSA.

 

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Bildnachweis: 
Carlo Stingl/Universität Bamberg