Wer soll das bezahlen?

Der Geizige, Wildwuchs Theater

Wer soll das bezahlen?

01. Februar 2019Steinhäuser Katharina

Das Wildwuchs Theater macht seinem Namen wieder alle Ehre und liefert ein verrücktes Spektakel ab. Im neuen Stück „Der Geizige“, basierend auf dem gleichnamigen Werk von Moliere, geht es um einen knausrigen Vater und dessen geldgierige Kinder. Der Sohn, Cléante (Daniel Reichelt), möchte die schöne, aber leider arme Mariane (Kristina Knoll) heiraten. Tochter Élise (Kristina Knoll) liebäugelt mit einer Hochzeit mit dem bediensteten Valère (Daniel Reichelt). Der Vater (Johannes Haussner) hat jedoch andere Pläne für seine Nachkommen. Dieser Konflikt zieht sich durch das ganze Stück.

Der weitaus größere Streitpunkt ist allerdings das Geld. Durch die exzentrische schauspielerische Darstellung des Vaters wird sehr deutlich wie sehr ihn die Gier und das Gold schon in den Wahnsinn getrieben haben. Dabei erinnert er schon fast ein bisschen an Gollum unter dem Fluch des Rings. Niemand darf von seinem Geld erfahren, niemand soll es bekommen und am liebsten würde er es fressen. Daher hockt der Vater auch die meiste Zeit auf seinem goldenen „Thron“ (nein, kein Königsthron ;-) ) und bewacht das darin versteckte Geld. Währendessen versuchen die Kinder es sich unter den Nagel zu reißen.

Wer sich vorher informiert, erkennt auf jeden Fall den Bezug zum Original von Moliere, auch wenn sich die Interpretation der Gruppe wie gewohnt relativ weit davon entfernt. Egal ob Vorwissen oder nicht, das Stück unterhält alle mal. Die überspitzte Darstellung der Handlung sorgt für jede Menge Lacher. Die Tatsache, dass eine Person jeweils mehrere Charaktere verkörpert ist zu Beginn etwas verwirrend, man gewöhnt sich aber im Laufe des Stücks daran.

Bei ihrer Performance scheuen die Akteure vor nichts zurück. Es wird wie wild unter der Bühne herumgekrochen, selbige erklommen oder durch den Saal gerannt. Dadurch wird die Grenze zwischen Bühne und Publikum ein Stück weit aufgelöst. Die fiktive Handlung wird immer wieder durch das Eingreifen des „Intendanten“ als Gott-gleiche Stimme aus dem Off unterbrochen, was für einen zusätzlichen humorvollen Bruch sorgt.

Mit nur wenigen Requisiten und einem simplen Bühnenbild (Johannes Haussner) wird die Geschichte lebendig erzählt. Anstatt mit dem moralischen Zeigefinger, Gier und Konsumwahn anzuprangern wird durch die bis zur Schmerzgrenze übertriebene Darstellung Kritik geübt.

An folgenden Terminen habt Ihr noch die Chance, euch das Stück anzusehen!

Weitere Termine:  2. & 15. Februar, 1. & 2. März

Wo? Haas-Säle Bamberg

Beginn ist jeweils um 20:00 Uhr

Kartenvorverkauf in der Buchhandlung Collibri und beim BVD Kartenservice.

Weitere Informationen unter: www.wildwuchs-bamberg.de

Bildnachweis: 
Denis Meyer

"Wo stehen wir?" fragt das ETA Hoffmann Theater in der neuen Spielzeit

"Wo stehen wir?" fragt das ETA Hoffmann Theater in der neuen Spielzeit

20. Mai 2020Winter Julia

"Wo stehen wir" heißt das Thema der neuen Spielzeit 2020/21 des ETA Hoffmann Theaters. Nicht nur das Theater, sondern die ganze Welt kann sich vermutlich gerade diese Frage stellen. Dabei ist nicht nur zu überlegen, wo wir uns auf dem Weg durch die Krise befinden - sondern auch, wo die Welt als solches und jeder persönlich sich gerade verortet und auf welches Ziel wir hinstreben. Es ist eine Frage der Gegenwart und der Zukunft - wird nach der Krise alles sein wie vorher oder ganz anders? Vielfältige Perspektiven greifen die Stücke der Spielzeit dazu auf - und leisten damit eine Bestandsaufnahme der Gegenwart und einen Blick in eine ungewisse Zukunft.

Die neue Spielzeit wird mit einem Stück eröffnet, welches aus der letzten Spielzeit umgezogen ist. Die Komödie Der Kirschgarten von Anton Tschechow erzählt die Geschichte einer mit Schulden belasteten Familie, welche vor den Trümmern der Gegenwart steht und erkennen muss, dass Gefühlsduselei auf dem Weg in die Zukunft keinen Platz hat.

Einen kritischen Blick auf die Gegenwart wagt das Auftragswerk Die Polizey von Björn SC Deigner, welches auf Fragmenten des gleichnamigen, unvollendeten Stückes Schillers aufbaut. Was ist die Polizei für die Gesellschaft - der allumfassende Schutzapparat oder der blinde Fleck? Und was passiert, wenn die Polizei plötzlich nicht mehr für, sondern gegen die Gemeinschaft arbeitet? Björn SC Deigner ist dem Publikum bereit mit dem Stück "Der Reichskanzler von Atlantis" aus der letzten Spielzeit bekannt.

Ein Blick in die Zukunft ist im aktuellen Gesellschaftsdiskurs meist auch ein Blick auf die Natur, und damit verbunden müssen wir uns die Frage stellen: Wie viel Wert ist uns die Umwelt? Und wie viel Wert ist uns der Kapitalismus? Diese Waagschale thematisiert die Klimatrilogie paradies fluten/hungern/spielen von Thomas Köck. Auch dieses Stück war ursprünglich für die letzte Spielzeit geplant.

Lässt sich mit der aktuell gültigen Norm Vergangenes beurteilen? Ein gutbetagter Lehrer kurz vor der Pension steht im Schlaglicht einer solchen Diskussion, als bekannt wurde, dass er seine Schützlinge früher mit dem Stock gezüchtigt hat. In Der Stock von Mark Ravenhill prallen althergebrachte Vorstellungen auf die Moralvorstellungen der Gegenwart und liefern sich einen Schlagaustausch.

Dass sich der Mensch als Krone der Schöpfung sieht, ist weitreichend bekannt. Ob er sich auch so verhält, sei dahingestellt. Mit einem Augenzwinkern stellt Gott ist 3 Frauen von Miroslava Svolikova jedoch fest, dass der Mensch keineswegs der Mittelpunkt der Welt ist, und die Vorstellung einer stetigen Höherentwicklung des Menschen "von oben" betrachtet vielleicht doch etwas anders aussieht.

Ist der große Aufschwung auch gleichzeitig der Untergang? Eine Familientragödie erzählt der Roman Effingers von Gabriele Tergit (bearbeitet von Remsi al Khalisi), der als glorioser Aufstieg einer Familie beginnt und mit der Deportierung in ein Vernichtungslager im Jahr 1942 endet.

Politische Wachheit als Apell - ein brandaktuelles Thema behandelt Hannah Arendt in Die Banalität des Bösen (inszeniert von Clemens Bechtel). Am Prozess gegen Adolf Eichmann wird verdeutlich, dass nicht nur in austaxierter Raffinesse, sondern ebenso in gedankenloser Oberflächlichkeit das Böse seinen Ursprung nehmen kann.

Wie nahe ist die Apokalypse? Ein millionenschweres Paar, das in Reichtum schwimmt, bildet die Kulisse für Der Riss durch die Welt von Roland Schimmelpfenning. Gerade noch himmelhochjauchzend wird das Paar von biblischen Plagen heimgesucht und das Glück scheint einen Sprung zu bekommen.

Der Klassiker Kasimir und Karoline von Ödön von Horváth ist dem schmalen Grad des menschlichen Strebens nach Glück (oder was man dafür hält) gewidmet. „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen" (Karoline: in Kasimir und Karoline)

Ein Regen voller Gold für die Probleme der Welt? In Gold von Philipp Gärtner bringt dieser Regen den Menschen kein Leben in Reichtum und Zufriedenheit, sondern Zerstörung und Verderben. Auch hier wird der Kapitalismus auf den Prüfstand genommen.

Mit Was ihr wollt von William Shakespeare bringen die Calderon-Festspiele zum Abschluss einen weiteren Klassiker auf die Bühne - in dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen und man sich den Irrungen und Wirrungen der Erzählung für einen Moment hingeben kann.

Bildnachweis: 
Martin Kaufhold

Gloriose Spielzeit und digitale Pause - Das ETA Hoffmann-Theater zieht Bilanz

Gloriose Spielzeit und digitale Pause - Das ETA Hoffmann-Theater zieht Bilanz

25. April 2020Winter Julia

Eine erfolgreiche Spielzeit, die leider viel zu früh enden musste - das ETA Hoffmann-Theater zieht die Bilanz der Saison 2019/20. Für Kulturfreunde ist das Theater weiterhin in den sozialen Medien und auf Youtube aktiv und überbrückt damit digital die Zeit des Wartens.

Ein Rückblick auf die Spielzeit "Fortschritt"

Unter dem Thema "Fortschritt" zeigte das Theater in der Spielzeit teils vergnügliche, teils äußerst kritische Stücke:

Die erste Premiere der Spielzeit feierte das Stück Faust1In2 von Johann Wolfgang Goethe. Mit einer Verflechtung beider Faust-Werke holte das Theater ein literarisches Meisterwerk auf die Bühne.

Darauf folgte mit Reichskanzler von Atlantis von Björn SC Deigner eine teils humoristische, teils erschreckende Farce auf eine nicht unbekannte und nicht zu unterschätzende Szene der deutschen Gesellschaft.

Sieben Nächte von Simon Strauß glänzte mit einer schlichten Inzenierung der sieben Todsünden und zeigte, dass jeder Mensch nah am Abgrund steht und auch in alltäglichen Dingen das moralisch Verwerfliche zu finden ist.

Einen weiteren Klassiker holte das Theater schließlich mit Bunbury auf die Bühne, der, mit modernen Themen vermischt, eine bunte Zerstreuung zum Jahreswechsel bot.

Skurril und irgendwie unheimlich wagte sich Bonn Park mit Das Deutschland in das Genre des Horrors. Eine perfekte Familile, bei der langsam die Fassade bröckelt, und eine für den Zuschauenden befremdliche Atmosphäre ist der Ausgangspunkt für Systemkritik am deutschen Staat. Beim Mitverfolgen des Stückes wird schließlich deutlich, warum auch der ursprüngliche Titel "Das Ende der Menschheit" eine treffende Charakteristik für eine düstere Botschaft an das Publikum gewesen wäre.

Mit dem vorletzen Stück der frühzeitig beendeten Saison Fort Schreiten versuchte Konstantin Küspert, ein neues Zeitalter heraufzubeschwören und den Menschen die Folgen des Klimawandels plakativ zu demonstrieren.

Der letzte Vorhang der Spielzeit fiel am 11. März 2020 mit Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth. Das Werk skizziert die eigene Verantwortlichkeit unter Schweigenden und thematisiert so die Lenkung der öffentlichen Meinung im NS-Regime, weshalb es 1937 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Was Ödön von Horváth vor über 80 Jahren pointierte, sollte in der Inszenierung auf die Gegenwart und die Zukunft der Gesellschaft übertragen werden.

Keine Premiere konnten leider die Stücke Paradies. Fluten. Hungern. Spielen von Thomas Köck, Der Sandmann von Weiler nach E.T.A Hoffmann, Der Kirschgarten von Anton Tschechow und die für die Calderón-Festspiele geplante Aufführung Die Schule der Frauen von Moliére feiern.

Rekordauslastung in der Spielzeit

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge lässt sich die zurückliegende Spielzeit wohl betrachten - lachend, da mit einer 90%-igen Auslastung eine äußerst positive Bilanz gezogen werden kann. Viele Stücke waren ausverkauft, was zeigt, welche kulturelle Bereichung das Theater für die Bambergerinnen und Bamberger darstellt. Nicht nur in Faust1in2, welches als bekanntes Oberstufenstück natürlich prädestiniert für einen Theaterbesuch war, fanden sich vemehrt auch junge Menschen im Vorstellungspublikum. 

Genauso ein Zuspruch ist die Tatsache, dass insgesamt fünf Einladungen für renommierte Theaterfestivals, darunter eine Einladung für Bunbury zu den bayrischen Theatertagen und für Das Deutschland zu den 45. Mülheimer Theatertagen und zu "Radikal Jung 2020", eingingen.

Die Zeit dazwischen - Theater digital

"Wir vermissen Sie, die Zuschauerinnen und Zuschauer, jeden Tag und jeden Tag ein bisschen mehr", schreibt die Intendantin Sibylle Broll-Pape auf der Homepage. Dennoch lässt sich das Theater nicht unterkriegen und möchte spätestens Mitte Mai die Saison 2020/21 vorstellen. Währenddessen wurde das neue Format "ETA@Home" ins Leben gerufen, wo Mitglieder des Ensembles Beiträge für alle Zuschauenden gestalten und diese auf der Website und in den sozialen Medien veröffentlichen. Auch mit Lesungen, die von Der Sandmann bis zu klassichen Märchen für junge Theaterbesuchende reichen, kann man sich die Wartezeit vertreiben. Einige Mitarbeitende des Theaters unterstützen zudem die Stadt durch das Nähen von Masken oder die Mithilfe beim Katastrophenschutz.

Eine Empfehlung für euch ist der Mitschnitt von "Die Elixiere des Teufels" nach E.T.A. Hoffmann in der Regie von Hannes Weiler aus der Spielzeit 2015/16, der bis zum 02. Mai auf Youtube abgerufen werden kann.

Auf eine neue Spielzeit 2020/21 freuen wir uns von Feki.de und wünschen dem Theater für die Zwischenzeit alles Gute!

Bildnachweis: 
Martin Kaufhold

Kultur

Kultur

Mi, 01/04/2020 - 17:45 - Hench Anna

Theater in Bamberg

Theater in Bamberg

Di, 10/03/2020 - 11:40 - Hench Anna

Sozialkritik in Blassrosa

07. März 2020 - Hench Anna

Am Freitag, den 6. März feierte „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth am ETA Hoffmann-Theater Bamberg Premiere. Ein Werk, das wie kaum ein anderes gerade auf den deutschen Bühnen gespielt wird, und das aus gutem Grund.

Vorankündigung: Kulturelle Abwechslung im Uni-Stress durch die Produktion ANICULA

Vorankündigung: Kulturelle Abwechslung im Uni-Stress durch die Produktion ANICULA

07. Januar 2020Winter Julia

Wer eine Pause vom Lernen braucht, dem kann ein Theaterstück der besonderen Art zur Abwechslung empfohlen werden.

Das Stück ANICULA wird am 16. Januar um 19:30 Uhr in den Haas-Sälen Bamberg aufgeführt (in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln).

Eine Kooperation der Theatergruppen AritSchocken Nürnberg, Russisches Theater Nürnberg und Theater MostY Erlangen hat sich dem Stück angenommen und beschreibt ihre Aufführung so:

Basierend auf einer Erzählung von Daniil Charms, einem Mitbegründer der absurden Literatur, versuchen wir, die Geburt, den Werdegang und den Untergang eines menschlichen Wesens, seinen nicht all zu langen Weg unter dem Sternenhimmel zu visualisieren, seine Unfähigkeit, dem Schicksal in die Augen zu schauen, um es zu verändern oder zu akzeptieren - das ist die künstlerische und philosophische Quintessenz, doch auf der Bühne erzählen wir eine konkrete Geschichte einer realen Figur: ein junger Mann - ein talentierter Schriftsteller, der dank der Ironie des Schicksals im Jahre 1939 lebt. Er verliebt sich in das wunderbarste aller Mädchen. Aber um ihn herum herrschen Angst und Denunziation, draußen ist Krieg und Hunger. 

Doch eines Tages platzt eine seltsame Alte in seine Wohnung herein...

 

Tickets online unter:

https://m.frankentipps.de/veranstaltung319462

 

ANICULA auf Facebook:

https://www.facebook.com/aniculastueck

Glitzer-Flitzer im Schlafzimmer - Lesung mit Virginia Woolf

Glitzer-Flitzer im Schlafzimmer - Lesung mit Virginia Woolf

29. November 2018Tina Tiedemann


Im E.T.A. Hoffmann Theater wurden die Besucher und Besucherinnen am Sonntag, denn 11. November von einer entspannten Bühnenkulisse empfangen. Das Bühnenbild lockte die Besucher mit der Botschaft "ein eigenes Zimmer", einem Buchtitel von Virginia Woolf, in den Theatersaal.

Ein bequemes Bett und eine Kommode, auf der unzähligen Bücher und Zeitschriften gestapelt waren - im Kontrast zu dem schlichten und funktionalen Bühnenbild trat Ewa Rataj mit ihrem bunten, mit Paletten bestickten Kostüm auf. Durch das auffällige Kostüm, aber vor allem durch ihre Präsenz, zog sie das Publikum in ihren Bann.

Während ihrer performativen Lesung begann sie über das Thema "Was ist eigentlich Feminismus?", so der Titel der Veranstaltung, vorzulesen.
Doch was ist überhaupt Feminismus? "Es ist kompliziert" rezipierte Rataj aus verschiedener Literatur, denn es ist schwierig, einen Begriff zu erfassen, wenn die Abgrenzungen zu anderen nicht klar definiert sind.

So begann sie aus der Literatur u.a. von Margarete Stokowski zu zitieren, die die mediendominierte Kontrolle des weiblichen Körpers beschreibt, der eine tägliche zwanghafte "To-Do-Liste" darstellt. Denn in den Medien wird durch die Produkte immer wieder betont, wie viele Defizite "frau" hat und wie "frau" diesen durch bestimmte Produkte entgegenwirken kann. Und all dies nur, um dem männlichen Geschlecht in der hetereo-dominiert geprägten Welt zu gefallen. So fand der Feminismus an dieser Stelle den Übergang vom Privaten in die Wissenschaft. Denn von nun an ging es um die Objektivierung des weiblichen Geschlechts, die Passivität, das Streben nach dem Gefallen anderer, welches an diese Rolle angegliedert ist. Doch wie entsteht dieses Bild der unschuldigen, naiven, hilfsbedürftigen Frau, die sehnsüchtig auf die Rettung ihres Traumprinzen wartet?

Fehlt es an weiblichen starken Vorbildern, an denen wir uns orientieren können? Oder ist es eher das Problem, dass diese starken weiblichen Rollenbilder nur viel zu selten Platz finden in den Geschichtsbüchern? So ist an dieser Stelle besonders Olympe de Gouges hervorzuheben, die als Frauenrechtlerin in Zeiten der Aufklärung und der französischen Revolution für Menschenrechte einstand und diese auch für die Frauen und Bürgerinnen einforderte. Oder auch Louise Otto-Peters, die Mitbegründerin der deutschen bürgerlichen Frauenbewegung. Sie kämpfte für die gleichwertige Ausbildung von Jungen und Mädchen, sowie sie sich deutlich für das Frauenwahlrecht aussprach, welches bisweilen seit bereits 100 Jahren in Deutschland besteht. Außerdem war sie eine der ersten Feministinnen, die die gesellschaftlichen Verhältnisse als Grundlage der Ungleichheit zwischen Frauen und Männern sah und diese weniger den biologischen Anlagen zuschrieb.

So machte es den Männern (nur?!) früher Angst, wenn sie einer dominaten, handelsstarken Frau begegneten, welches sich nicht nur in der Geschichtsschreibung, sondern auch in anderen literarischen Werken niederschlägt. So werden in Mythen und Märchen Frauen mit Macht negativ assoziiert und als Hexen und Sirenen betitelt, die die Männer in den Tod locken wollen und vor denen man Abstand nehmen soll.

Nach der Frage: "Wer ist ein Feminist oder eine Feministin?", die als Unterbrechung der Vorlesung von Rataj ins Publikum gegeben wurde, zeigte sich, dass noch immer viele Frauen heute Sorge tragen, dass sie, wenn sie sich als Feministin betiteln, als Wesen gesehen werden, die überspitzt gesagt, "Männern nach ihrem Leben trachten".

Es ist zwar kompliziert, was der Feminismus ist, aber so kompliziert ist es nun auch nicht!

Es geht beim Feminismus nicht darum, Männer zu hassen, sondern er beschäftigt sich mit dem sozialen Konstrukt der Benachteiligung der Geschlechter in verschiedenen Bereichen. Feminismus bedeutet also nichts anderes, so teilte Rataj mit, als die Gleichberechtigung von Menschen, also von Frauen UND Männern.

So beendete sie ihre performative Lesung mit der Take Home Message, passend nach einem Buchtitel von Ngozi Adichie: "We should be all feminists!"

Foto: ETA Hoffmann Theater Bamberg

Vorankündigung: Desintegriert Euch! – Lesung mit Autor Max Czollek im ETA Hoffmann Theater

Vorankündigung: Desintegriert Euch! – Lesung mit Autor Max Czollek im ETA Hoffmann Theater

28. November 2018Hench Anna

Am 3. Dezember 2018 kommt Max Czollek mit seinem streitbaren Buch „Desintegriert Euch!“ zu einer Lesung an das ETA Hoffmann Theater Bamberg. Moderiert wird der Abend von Chefdramaturg Rhemsi Al Khalisi.

Das ist Thema:
Im Rahmen des neu entstandenen Formats „ETA fragt…“ ist der Autor Max Czolleks mit seinem brisanten Werk „Desintegriert Euch!“ zu Gast. Das Buch hat in der kurzen Zeit, die es erst auf dem freien Markt ist, schon breite Wellen geschlagen und scheut sich nicht, als Polemik zur Debatte um Integration und Zugehörigkeit auf so manche Zehen zu treten. Die Wut des Autors ist explizit, denn die hierzulande herrschenden Migrationsregeln passen ihm gar nicht. Ein guter Jude, der stets zu Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft gibt? Dieses "Integrationstheater" stabilisiert das Bild einer geläuterten Gesellschaft - während eine völkische Partei Erfolge feiert. "Desintegriert euch!" ist eine Attacke gegen die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur.

Im Anschluss an die Lesung wird es eine Gesprächsrunde als Möglichkeit zur Diskussion mit Autor Max Czollek und Dramaturg Rhemsi Al Khalisi geben.

Wann und Wo:
Die Lesung ist eine einmalige Veranstaltung am 03.12.2018 um 20 Uhr. Gelesen wird auf der Studiobühne des ETA Hoffmann Theaters.

Foto: ETA Hoffmann Theater Bamberg

Räterepublik Baiern! – Uraufführung im ETA-Hoffmann-Theater

Räterepublik Baiern! – Uraufführung im ETA-Hoffmann-Theater

21. November 2018Hench Anna

Das ETA-Hoffmann-Theater feiert am Freitag, den 23.11.2018 Premiere mit der Uraufführung von „Räterepublik Baiern!“, ein Ein-Personen-Stück nach Ernst Tollers „Eine Jugend in Deutschland“ und „Das Schwalbenbuch“.

Worum geht es?
2018 jährt sich zum 100. Mal der radikale Versuch, in Bayern eine nicht kapitalistische Gesellschaft zu gestalten. Die Führung des „revolutionären Zentralrates Baierns“ übernahm 1918 der Schriftsteller Ernst Toller, woraufhin am 7. April 1919 die „Räterepublik Baiern“ ausgerufen wurde (nun wieder mit „i“, anstelle des durch König Ludwig I. eingeführten „y“ geschrieben). Weil die Räterepublik vor allem von Schriftstellern getragen wurde, ging sie als Literaten- und Kaffeehausrepublik in die Geschichte ein. Von Bamberg aus wurden in einem breiten Bündnis aus SPD, Konservativen und extremen Rechten paramilitärische Angriffe von Freikorpsverbänden organisiert, und im Mai 1919 wurde die Räterepublik niedergeschlagen. Die Autobiografie "Eine Jugend in Deutschland" (1936) von Ernst Toller enthält auch eine detaillierte Beschreibung seiner Rolle während der Revolution.

Einhundert Jahre später geht die Regisseurin Sophia Barhelmes mit Ernst Tollers Autobiographie und dem Gedichtband „Das Schwalbenbuch“ sozialen Utopien von Damals und Heute auf den Grund und sucht nach den verbliebenen Spuren der Räterepublik, ihrer Kraft, aber auch ihren Fehlentscheidungen und Paradoxien.

Wann und Wo?
Premiere feiert das Stück am 23.11., weitere Vorstellungen werden den restlichen November (24., 28., 29.) und Dezember (02., 05., 06., 07., 14., 15., 19., 20., 21.) gegeben. Gespielt wird auf der Studiobühne des ETA-Hoffmann-Theaters.

Last Minute Tickets für Studierende: 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn kosten Karten für Studierende nur 7€ - einfach an die Abendkasse gehen, Studierendenausweis vorzeigen und dabei sein!